Josef Lederle, Filmdienst
Unabhängig davon, ob man die Musik von Wader oder Wecker mag oder nicht, kommt man nicht umhin, ihren Biografien Respekt zu zollen, die exemplarisch für die Auf-, Um- und auch Abbrüche der Zeit stehen.

Dreh- und Angelpunkt des kurzweiligen Films sind die Beobachtungen der unaufdringlich-agilen Kamera hinter der Bühne, bei Proben oder nach einem Konzert, in denen sich Widerspruch und Eigensinn der wesensfremden Protagonisten verdichten. Das hallt bis in die Auseinandersetzung der Bühnentechniker nach, die für Wader einen klar definierten Raum reklamieren, während Weckers Assistenten ganz im Duktus ihres Chefs auf Dynamik, Dramaturgie und Durcheinander setzen. Oder den Minuten vor dem jeweiligen Auftritt, in denen Wecker mit seinen Musikern scherzt, während Wader wie ein einsamer Wolf nervös hin- und herläuft. Kurz vor dem Auftritt versammelt Wecker die Seinen zum einschwörenden Ritual um sich, dem sich im letzten Augenblick auch Wader anschließt, ein wenig linkisch, aber nicht undankbar.

Man will es kaum glauben, aber offensichtlich profitieren beide voneinander, die manische Rampensau vom aufrechten Solisten, den er stets bewundert hat, der spröde Barde vom genialen Entertainer, der ihn mit zu neuen Ufern nimmt. Diese vielschichtige Kombination aus Vitalität und Nachdenklichkeit, Rückblick und Gegenwart, Politik und Poesie berührt nicht nur mit Blick auf die Protagonisten und ihre Musik, sondern wirft auch ein warmes Licht auf die Wandlungen des Landes, das längst auch ein „Mutter Land“ geworden ist, seitdem die Väter nicht mehr ausschließlich für Gehorsam, Disziplin und das Über-Ich stehen."


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Eine Schattengewächs Filmproduktion gefördert vom FFF Bayern und der MFG Baden-Württemberg - in Ko-Produktion mit SWR, WDR, BR
Redaktion: Simone Reuter (SWR), Jutta Krug (WDR), Christel Hinrichsen (BR)
Produzenten: Florian Rothenberger, Isabella von Klass
Kamera: Michael Hammon, 2. Kamera: Yannick Bonica - Schnitt: Carmen Kirchweger - Ton: David Finn - Tonmischung: Maik Siegle
Dramaturgische Beratung: Felix Kuballa - Buch und Recherche: Matthias Leitner - Buch und Regie: Rudi Gaul